Gnadenbild

Die Betrübte Mutter

hartbewerktjuli2014In einem kleinen Dorf ganz im Norden der Niederlande steht auf einem bunt geschmückten Altar in der Kapelle der ortsansässigen Einsiedelei ein großes Bild der heiligen Jungfrau. Sie weint über das Leiden ihres Sohnes. Jährlich wird sie dort zwischen Mai und Oktober von Tausenden von Menschen besucht. Sie kommen, um Maria um Fürsprache in ihren Nöten zu bitten oder um ihr für Segnungen zu danken, die sie empfangen haben. Hinter dem Bild schimmern daher auch Hunderte von kleinen silbernen Glasherzen – jedes ein stiller Zeuge für jemanden, der bei Maria Erhörung gefunden hat.

Wenn auch Maria in Warfhuizen weint, so ist es doch keine traurige Wallfahrt: Die Gläubigen feiern dort, dass sich Marias Trauer in Freude verwandelt hat. Dies ist schon an der festlichen Kleidung zu erkennen, die Unsere Liebe Frau in der Klausenkapelle meistens trägt. Ihr Leiden hat durch die Auferstehung Jesus eine völlig andere Bedeutung erhalten, wovon auch Marias Krone zeugt. In Jerusalem hat sie sicher nicht in glänzenden Prachtgewändern unter dem Kreuz gestanden. Wenn wir sie dennoch so darstellen, steckt eine andere Absicht dahinter.

Ein verschlüsseltes Bild

mariaklein4Man kann sagen dass das Bild „Unsere Liebe Frau vom Verschlossenen Garten“ ein verschlüsseltes Bildnis ist: Seine Bedeutung besteht nicht in dem, was man auf den ersten Blick sieht, sondern erschließt sich nur dem, der länger darüber nachsinnt. Sehr passend für ein Bild, das die Bezeichnung „Verschlossener Garten“ trägt …

„Verschlossener Garten“?

Bilder, die besondere Verehrung genießen – sogenannte „Gnadenbilder“ – bekommen stets einen besonderen Namen. In Warfhuizen trägt Maria gleich eine ganze Anzahl von Namen, weil die Gläubigen sich immer wieder neue ausdenken: „Unsere Liebe Frau von Warfhuizen“, „Maria von Warfhuizen“, „Betrübte Mutter von Warfhuizen“ usw. Doch der offizielle Titel des Bildes lautet „Unsere Liebe Frau vom Verschlossenen Garten“. Der „Verschlossene Garten“ ist ein Symbol aus dem „Hohen Lied“ (Kapitel 4, Vers 12), einem dem König Salomo zugeschriebenen Buch des Alten Testaments. Er steht für einen sicheren Ort, an dem neues Licht zur Welt kommt, so wie Jesus im Schoß Mariens heranwuchs. Es ist ein Titel für Maria, der bei Eremiten und Kartäusern recht gebräuchlich ist.